ÜBER DEN AUTOR

Roland Hohberg ist seit mehr als drei Jahrzehnten eng mit dem Kampf für die Menschenrechte der mosambikanischen Vertragsarbeiter und Studenten aus der ehemaligen DDR verbunden und mit der Situation der Rückkehrer in Mosambik bestens vertraut.

 

VOR 1990

Nach dem Parteiaustritt und der Verweigerung des Militärdienstes, verlor der abtrünnige Absolvent der SED-Parteischule und Kandidat des DDR-Schriftstellerverbands nach Abschluss seiner Facharbeiterausbildung als BMSR-Techniker seinen Arbeitsplatz im Kernkraftwerk Greifswald/Lubmin.

Er zog nach Leipzig, stellte einen Ausreiseantrag, lebte von Gelegenheitsjobs und schrieb für einen westdeutschen Verlag das Manuskript für einen autobiographischen Roman über eine vom stalinistischen Terror verfolgte Familie in der DDR, das vor der in Prag geplanten Übergabe an den Verlag von der Staatssicherheit beschlagnahmt wurde.

Nach der Mitarbeit in Initiativen für die Rechte von Homosexuellen, dem Friedens- und Behindertenarbeitskreis in der Evangelischen Studentengemeinde Leipzig sowie bei der Herausgabe der illegalen Zeitschrift “Anschlag”, leitete er als ehrenamtlicher Geschäftsführer den “Connewitzer Alternative e.V.” und das Ausländerberatungsbüro in der Stöckartstraße.

Trotz fehlender Unterstützung durch die Ausländerbeauftragte im Ministerium der DDR, das Solidaritätskomitee und die Abteilung “Beschäftigung und Soziale Integration ausländischer Bürger” im Ministerium für Arbeit und Soziales, wurde die Beratungsstelle des gemeinnützigen Vereins schnell überregional bekannt.

Lange bevor im Oktober 1990 die Ausländerbehörde des Rates der Stadt Leipzig ihre Tätigkeit aufnahm, bekamen Hunderte afrikanische Vertragsarbeiter aus den benachbarten DDR-Bezirken Unterstützung bei Behördengängen, der Übersetzung von Dokumenten und der Klärung rechtlicher Angelegenheiten.

Zu denen die sich in Connewitz über die laufenden Regierungsverhandlungen informierten, gehörten der Mosambikaner Jorge João Gomondai und der Angolaner Amadeu António Kiowa. Beide wurden später zu Opfern rechtsradikaler Gewalt.

Für den Dokumentarfilm “Farewell DDR” der mosambikanischen Produktionsfirma Ebano Multimédia vermittelte der Sprecher des “Connewitzer Alternative e.V.” Kontakte mit Neonazis und Vertragsarbeitern.

Unter seiner Leitung vereinbarte der Vereinsvorstand ein Sanierungskonzept mit dem Rat der Stadt, eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei und eine Deeskalationsvereinbarung mit dem sächsischen Innenministerium, woraufhin er sich Angriffen von Linksextremisten aus der autonomen Szene ausgesetzt sah.

Nach drei Jahrzehnten eingeschränkter Reisefreiheit in der DDR und ohne berufliche Perspektive, trat der Leipziger nach der Deutschen Wiedervereinigung seine erste Flugreise in mehrere Länder Ost- und Westafrikas an.

 

NACH 1990


In Mosambik, seinem zweiten Reiseziel, musste er sich nach einem Diebstahl und dem Verlust der Reisedokumente auf einen längeren Aufenthalt im Land einrichten, nach Arbeit suchen und geriet nach Ausschlagen eines Angebots ehemaliger Stasi-Mitarbeiter zur Tätigkeit im neugegründeten Geheimdienst SISE unter Spionageverdacht und Bespitzelung.

Mit Unterstützung ehemaliger DDR-Vertragsarbeiter und Studenten lernte er Portugiesisch und gründete 1991 gemeinsam mit ihnen in Maputo die Rückkehrervereinigung ADECOMA, zu deren Geschäftsführer er später gewählt wurde.

Zu den Projekten der mitgliederstarken Vereinigung gehörten die Registrierung der DDR-Rückkehrer in einer Datenbank für Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahmen im Rahmen des Projekts GET JOBS, die Initiative deutsch-mosambikanischer Familienzusammenführung WIEDERSEHEN-REENCONTRO, sowie der Aufbau des Rückkehrerzentrums CIMA zur Pflege der deutschen Sprache, der kulturellen Beziehungen und sozialen Kontakte.

Keine dieser lokalen Initiativen ist vom Auswärtigen Amt oder entwicklungspolitischen Einrichtungen gefördert worden. Das erste Büro der ADECOMA wurde 1993 polizeilich geräumt, auf das zweite wurde 1994 ein Brandanschlag verübt.

Der Zuwendungsvertrag für das 1996 von Bundesaußenminister Klaus Kinkel eingeweihte Rückkehrerzentrum CIMA wurde ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung durch die Deutsche Botschaft gekündigt. Die Mittel für das 2003 eröffnete Rückkehrerzentrum ICMA wurden unter Leitung einer österreichischen Entwicklungshelferin 14 Jahre lang zweckentfremdet.

Von staatlich geförderten Veranstaltungen in Deutschland zur Rückkehrerproblematik wurden Vertreter der mosambikanischen Selbsthilfe-Initiativen permanent ausgeladen.

In seinen Veröffentlichungen dokumentiert der bis heute in Mosambik lebende Autor und ehemalige Entwicklungshelfer die Verletzung der Menschenrechte der DDR-Rückkehrer unter der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik, ihre politische Instrumentalisierung durch geheimdienstliche Maßnahmen und die Rolle von Nichtregierungsorganisationen bei der Verhinderung von Aufarbeitung und der Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen.

Als aktiver Zeitzeuge setzt der Autor wissenschaftlichen Arbeiten deutscher Mosambik-Experten authentische Erfahrungen vor Ort entgegen und entblößt rassistische Stereotypen weißer Deutungshoheit, die bis heute entscheidend zur Diskriminierung Tausender DDR-Rückkehrer und ihrer Familienangehörigen beitragen.