EINLEITUNG

"Betrogen. Bevormundet. Diskriminiert." ist die erste Dokumentation zur Reintegrationsproblematik Tausender aus Deutschland zurückgekehrter Aufbauhelfer, in der die Erfahrungen der Madgermanes im Mittelpunkt stehen, die sich in den letzten Kriegsjahren in Mosambik nicht an den gewalttätigen Ausschreitungen beteiligten und es ablehnten, sich den RENAMO-Guerillas anzuschließen. Mit Veröffentlichungen lokaler Medien und umfangreichem Archivmaterial ergänzt, werfen die Beiträge einen kritischen Blick auf die deutsche Außen-, Entwicklungs- und Kulturpolitik. Aufgezeigt werden die Widersprüche zwischen der in Deutschland staatlich geförderten Geschichtsfälschung und der verhinderten Aufarbeitung der von der Bundesregierung und nichtstaatlichen Organisationen verschwiegenen Menschenrechtsverletzungen in Mosambik.

Die Veröffentlichung der etwa vierhundertseitigen Dokumentation als eBook ist für September 2022 geplant. Einige Beiträge werden vorab als Leseprobe veröffentlicht.

CHRONOLOGIE

Eine 50 Seiten umfassende Chronologie ermöglicht die geschichtliche Zuordnung der verschiedenen Beiträge der Dokumentation "Betrogen. Bevormundet. Diskriminiert." Sie fokussiert auf die deutsch-mosambikanischen Beziehungen seit der Unabhängigkeit Mosambiks und gibt einen Überblick, welche außen-, entwicklungs- und kulturpolitischen Ereignisse und Entscheidungen zur Diskriminierung der Madgermanes beitrugen. Der hier als Leseprobe im Entwurf veröffentlichte erste Teil der Chronologie umfasst den Zeitraum von 1976 bis 1992. Erstmals wird in authentischen Beiträgen über die Gründung der lokalen Vereinigung der DDR-Rückkehrer berichtet, die vom deutschen Netzwerk staatsgeförderter Geschichtsfälscher und Faktenverdreher, die sich anmaßen im Namen der Betroffenen zu sprechen, bislang keine Erwähnung fand. Dokumentiert wird, wie unter Genschers Außenpolitik der heimlichen Unterstützung des Guerilla-Terrors, ehemalige Vertragsarbeiter zu gewalttätigen Protesten aufgewiegelt wurden und damit in den letzten beiden Kriegsjahren der Grundstein für die jahrzehntelange soziale Ausgrenzung derer gelegt wurde, die eine politische Instrumentalisierung aus Bonn ablehnten. Ohne ideologische Verblendung wird kritisch hinterfragt, wie sich die Staatspartei der DDR nach ihrem Sonderparteitag im Dezember 1989 aus ihrer Verantwortung für ihre Gäste aus dem ärmsten Land der Welt schlich und dem sozialistischen Bruderstaat in Afrika die Freundschaft kündigte als dieser völlig am Boden lag.

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

Aufgrund fehlender öffentlicher Förderung ist die Arbeit an der Dokumentation "Betrogen. Bevormundet. Diskriminiert." für einen in Mosambik beheimateten Autoren eine extreme Herausforderung. Die prekären finanziellen Rahmenbedingungen, der schwierige Zugang zu relevanter Literatur und die fehlende Bereitschaft von Autoren aus Deutschland zur Zusammenarbeit, gehören zu den größten Hindernissen für ein Quellenstudium, das eine staatlich unabhängige Aufarbeitung der Madgermanes-Problematik aus Sicht der Betroffenen mit wissenschaftlichen Erfahrungen und den Sichtweisen anderer Autoren ergänzt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Autor, Geschäftsführer der 1991 gegründeten Rückkehrervereinigung ADECOMA und Leiter des Reintegrationszentrums ICMA Maputo, seit Jahrzehnten durch Bespitzelung, Verleumdung, Raubüberfälle und Morddrohungen an dieser Arbeit gehindert wird. Zu einer respektvollen, partnerschaftlichen Aufarbeitung des an den Rückkehrern aus Deutschland begangenen Unrechts ist es noch ein weiter Weg.