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Der Autor gehört zu denen, die es für verabscheuungswürdig halten, wenn Politiker und andere skrupellose Geschäftemacher den Tod eines Menschen ausnutzen, um sich in Szene zu setzen und von so einem Schicksal profitieren. Im Fall des in der DDR verunglückten Mosambikaners Manuel Diogo ist diese würdelose Störung der Totenruhe noch perfider, weil der Tod des ehemaligen Vertragsarbeiters schon mehr als 30 Jahre zurückliegt und Diogo damals nicht, wie der MDR und die Nutznießer staatlicher Förderung und jovialer Spenden bis heute hartnäckig behaupten, von Neonazis bestialisch ermordet wurde, sondern bei einem Zugunglück ums Leben kam.
 

Der MDR entschied sich 2016 sogar dafür, mit dem Geld der Gebührenzahler die erlogene Mordtat mit Laiendarstellern nachzustellen und eine Reise nach Mosambik zu finanzieren, um der altersschwachen Mutter die "News" über ihren 1986 verstorbenen Sohn zu überbringen und dies sogar zu filmen.


Das Reintegrationszentrum der Madgermanes ICMA in Maputo wurde nach der Aufführung der MDR-Doku 2017 durch das Auswärtige Amt geschlossen, Zeugen aus Mosambik von Veranstaltungen in Deutschland ausgeladen und zum Schweigen  gebracht. Der Juristische Direktor des MDR, Prof. Dr. Jens-Ole Schröder, sieht bis heute keine Veranlassung, zu dem Medienskandal Stellung zu beziehen und sich bei den Angehörigen und ehemaligen Arbeitskollegen von Manuel Diogo öffentlich zu entschuldigen.

 

Der Fall Manuel Diogo zeigt erstmals auch in der deutschen Öffentlichkeit, was jahrzehntelange Entmündigung und Diskriminierung der Rückkehrer aus Deutschland in Mosambik angerichtet haben. Der Medienskandal offenbart, wie leicht es dem von staatlicher Förderung und der Verletzung der Menschenrechte der Madgermanes profitierenden deutschen Netzwerk fällt, mit selbstgerechter, faktenverbiegender Empörungsrhetorik politische und geschäftliche Interessen durchzusetzen. 

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 1)

Im Juli 2018 veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung, das ehemalige Parteiorgan der SED-Bezirksleitung Leipzig, unter der Überschrift „Erinnerungslücke“ einen Beitrag über die angeblich hohe Zahl von Opfern rassistischer Gewalt in der DDR. Laut Recherchen des DDR-Rechtsextremismus-Forschers Harry Waibel waren bei etwa 800 rassistischen Vorfällen gegen ausländische Vertragsarbeiter in der DDR zwölf getötet und Tausende verletzt worden. In Mosambik löste die Meldung große Bedenken aus, denn der umstrittene Historiker behauptet seit der Veröffentlichung seines Buches „Der gescheiterte Antifaschismus. Rassismus in der DDR“ (2014) hartnäckig, dass auch der mosambikanische Vertragsarbeiter Manuel Diogo von Neonazis ermordet worden sei.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 2)

Ginge es nach dem Willen des MDR, des Waibel-Clans und der Organisatoren der Magdeburger Tagung „Respekt und Anerkennung“, wären die Dokumentationen über rassistische Verbrechen in der ehemaligen DDR in Mosambik nie gezeigt worden. Das hatte bis zum 27. Jahr der Diskriminierung und Bevormundung der Madgermanes auch gut funktioniert und erinnerte manchen schon nostalgisch an die Zeit der Kolonialexpeditionen und Völkerschauen, als Afrikaner nicht erfuhren, wie die Weißen über sie berichteten und sie zooartig zu  Objekten der Schaulust herabgewürdigt wurden. 2017 aber eroberten die Madgermanes nach Jahren der Ausgrenzung ihr Reintegrations-Zentrum in Maputo zurück und sahen dort die Doku "Schatten auf der Völkerfreundschaft".
 

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 3)

Alles passte zusammen: Zwei deutsche Filmemacher auf der Suche nach einer bombastischen Story, ein prominentes Opfer von Ausländerfeindlichkeit auf der Suche nach weiteren Ehrenurkunden, ein auf dem linken Auge blinder Extremismusforscher auf der Suche nach möglichst vielen Neonaziopfern und Vertreter staatlich geförderter Initiativen auf der Suche nach mehr Steuergeldern. Unter der Schirmherrschaft der Intendantin einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt machten sie Schlagzeilen. Ihr Opfer: ein vor drei Jahrzehnten in einem fernen afrikanischen Land beerdigter DDR-Vertragsarbeiter aus armen Familienverhältnissen und die Hinterbliebenen, die sich nicht wehren können, aber vor laufender Kamera auf menschenverachtende Weise zu Nebendarstellern degradiert wurden.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 4)

1979 hatte der amerikanische Anthropologe William Arens seine Forschungen über Kannibalismus abgeschlossen. Nach der Überprüfung Hunderter Berichte, fand er keinen einzigen Fall, in dem sich der angebliche Verzehr von Menschenfleisch auf Beobachtungen "aus erster Hand" stützen konnte. Die Sage von den Menschenfressern hatte sich da bereits regelrecht zum Wandermythos entwickelt. Entweder wurden Geschichten vom Hörensagen für bare Münze genommen oder man griff unbekümmert zum Mittel der Fälschung, wenn dies den eigenen Interessen diente (z. B. bei der Rechtfertigung des Sklavenhandels). Die Forschungen des Anthropologen Arens warfen ein bezeichnendes Licht auf die dubiosen Quellen, auf die sich nicht nur Reiseschriftsteller, Kolonisatoren und Missionare, sondern lange Zeit auch ernsthafte Wissenschaftler stützten. Bei der Aufarbeitung des Falls Manuel Diogo gibt es Parallelen zur Forschung über Kannibalismus.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 5)

Niemand hatte den Mann aus Deutschland gerufen, aber er kam in guter Absicht. Er hatte sich auf den weiten Weg gemacht, um den Hinterbliebenen die Wahrheit über den Tod ihres drei Jahrzehnte zuvor verstorbenen Familienangehörigen zu überbringen. Geduldig wartete er bis ihm sein mosambikanischer Kollege hinter der Kamera ein Zeichen gab. Erst jetzt überreichte er der überraschten Mutter von Manuel Diogo ein Foto ihres Sohnes. Dann berichtete der Mann, Manuel wäre damals in der DDR nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen, sondern von Neonazis ermordet worden. Frau Faustina Machisso blickte fragend zum Übesetzer. Der erwiderte gleich: "Bandidos!" Das verstand die betagte, gebrechliche Frau, denn die Guerillas die zur Zeit von Manuels Tod in Mosambik die Bevölkerung niedermetzelten, wurden auch "Bandidos" (Banditen) genannt. Wie im Drehbuch zu erwarten, brach Manuels Mutter in Tränen aus. Vielleicht hätte man ihr auch ein Paar Springerstiefel übergeben und ihr sagen können, den hätte einer der Mörder ihres Sohnes getragen. Das wäre vielleicht ein passender Beitrag zu Manuels Seelenfrieden und eine Idee für eine perfekte, letzte Kameraeinstellung gewesen. Die Chance ist wohl dahin - Frau Machisso soll gestorben sein.

Im Namen der Opfer der Diskriminierung der Madgermanes und ihrer Familienangehörigen und Kinder in Deutschland, danken wir allen, die unsere Beiträge teilen und uns bei der Arbeit für die Rechte der Madgermanes unterstützen.