DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 1)

Im Juli 2018 veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung, das ehemalige Parteiorgan der SED-Bezirksleitung Leipzig, unter der Überschrift „Erinnerungslücke“ einen Beitrag über die angeblich hohe Zahl von Opfern rassistischer Gewalt in der DDR. Laut Recherchen des DDR-Rechtsextremismus-Forschers Harry Waibel waren bei etwa 800 rassistischen Vorfällen gegen ausländische Vertragsarbeiter in der DDR zwölf getötet und Tausende verletzt worden. In Mosambik löste die Meldung große Bedenken aus, denn der umstrittene Historiker behauptet seit der Veröffentlichung seines Buches „Der gescheiterte Antifaschismus. Rassismus in der DDR“ (2014) hartnäckig, dass auch der mosambikanische Vertragsarbeiter Manuel Diogo von Neonazis ermordet worden sei.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 2)

Widersprüchlicher kann Aufarbeitung kaum sein: In Deutschland basteln ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, ein selbsternannter Historiker, Autoren, Politiker und staatlich finanzierte Organisationen aus dem Unfalltod eines Mosambikaners drei Jahrzehnte später eine gleichermaßen dilettantische wie skrupellose Mordstory, reisen auf Kosten des Beitragszahlers zur Störung der Totenruhe nach Mosambik um die Hinterbliebenen zu belügen und setzen im Land des Toten Zeugen unter Druck damit ihre nekrophile Geschäftsidee nicht auffliegt. In Mosambik hingegen wird die nicht frei erfundene Ermordung eines ehemaligen Vertragsarbeiters während der Besetzung der Deutschen Botschaft vom Auswärtigen Amt bis heute verschwiegen und die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen verhindert.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 3)

Ginge es nach dem Willen des MDR, des Waibel-Clans und der Organisatoren der Magdeburger Tagung „Respekt und Anerkennung“, wären die Dokumentationen über rassistische Verbrechen in der DDR in Mosambik nie gezeigt worden. Denn das Geschäftsmodell staatlich geförderter Geschichtsfälschung und rassistischer Lügengeschichten unter dem Deckmantel von Aufarbeitung und Antirassismus, funktioniert vor allem nach einem Prinzip: Die Afrikaner müssen wie zur Zeit der Völkerschauen zooartig zu Objekten der Schaulust herabgewürdigt werden und dürfen wie einst nach Forschungs- und Kolonialexpeditionen nicht erfahren wie im Land der Weißen über sie berichtet wird.

DER FALL MANUEL DIOGO (TEIL 4)

In der DDR waren Lucas Nzango und Manuel Diogo nicht nur Arbeitskollegen, sie haben auch viel Freizeit gemeinsam verbracht. Zur Routine der Vertragsarbeiter aus dem Sägewerk Jeber-Bergfrieden gehörte der gemeinsame Besuch im Fotostudio der Stadt Dessau. Beim Posieren vor der Kamera wurde viel gelacht, das letzte Mal im Juni 1986, wenige Wochen vor Manuels Tod. Drei Jahrzehnte später sieht Lucas ein Foto von diesem Tag in einem MDR-Beitrag und später in verschiedenen Online-Publikationen. Sein Interview in Maputo wird in Deutschland einen Medienskandal auslösen.