Weder Respekt noch Anerkennung (Teil 3)

Aktualisiert: Okt 8

Im Februar 2019 organisierten Mosambik-Experten aus Deutschland eine Internationale Tagung zur Entwicklungszusammenarbeit zwischen Mosambik und Deutschland mit dem Schwerpunkt der DDR-Vertragsarbeiter und gaben ihr zur Rechtfertigung öffentlicher Förderung den Titel “Respekt und Anerkennung”. Die Veranstaltung in Magdeburg wurde zur Bühne von Geschichtsverklärung, Diskriminierung und kollektivem Vergessen.


Roland Hohberg, 30.09.2020 über den Autor


Zur deutschen Verantwortung gegenüber den DDR-Rückkehrern erklärte der Persönliche Afrika-Beauftragte von Bundeskanzlerin Merkel, Günter Nooke, 2019 gegenüber dem Deutschlandfunk: “Da können wir jetzt nicht so tun - wenn ein Staat (Mosambik) etwas nicht macht - dann springt immer der große, reiche Onkel aus dem Westen ein. Das funktioniert nicht.”


Die Erinnerungslücken des Afrika-Beauftragten


Dass Günter Nooke, drei Jahrzehnte nach der Abschiebung der mosambikanischen Vertragsarbeiter, so schlecht auf die mosambikanische Regierung zu sprechen ist und ihr für die Diskriminierung der DDR-Rückkehrer den Schwarzen Peter zuschiebt, müsste eigentlich überraschen.


Noch 2015 war der Persönliche Afrika-Beauftragte von Bundeskanzlerin Merkel gemeinsam mit Bundesratspräsident Volker Bouffier und einer Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Mosambik gereist und konnte sich vor Ort ein Bild von der gescheiterten Wiedereingliederung der DDR-Rückkehrer machen.


Es ist davon auszugehen, dass er sich als Merkel-Berater in Vorbereitung dieser Reise mit der Geschichte Mosambiks beschäftigt hat, auch mit dem blutigen Stellvertreterkrieg, dem fast eine Million Menschen zum Opfer fielen und in dem 5 Millionen Menschen vertrieben wurden.


Als DDR-Bürgerrechtler weiss Nooke um die Rolle Westdeutschlands bei der Unterstützung einer Guerillabewegung, die für Menschenrechtsverletzungen an Zivilisten, Zwangsrekrutierungen und den Einsatz von Kindersoldaten berüchtigt war.


Ihm sollte bewusst sein, dass dieser Krieg noch tobte als eine Regierung die für die Destabilisierung Mosambiks mitverantwortlich war, alles daran setzte, sich der Vertragsarbeiter möglichst schnell zu entledigen, in vielen Fällen sogar auf Kosten der Trennung von ihren in Deutschland geborenen Kindern.


Günter Nooke kennt die im Oktober 1991 veröffentlichten Kriterien für die deutsche Afrika-Politik, in denen die Achtung der Menschenrechte und die Beteiligung der Bevölkerung höchste Priorität genießen.


Umfassende Akteneinsicht ermöglicht es dem Afrika-Beauftragten, sich zu vergewissern, dass einen Monat nach der Deutschen Einheit jedem DDR-Rückkehrer ein Existenzgründungskredit in Höhe von 20 Tausend US-Dollar zugesichert wurde.


Nooke sollte wissen, dass sich 1991 in Mosambik ehemalige Vertragsarbeiter und Studenten zu einer Vereinigung zusammenschlossen, um diese und andere entwicklungspolitische Integrationsmaßnahmen der Bundesrepublik konkret umzusetzen.


Ihm sollte bekannt sein, dass der ehemalige Bundesaußenminister und BND-Chef Klaus Kinkel im Juli 1996 in Maputo ein Integrationszentrum der DDR-Rückkehrer eingeweiht hatte, das wenig später auf Anordnung des Auswärtigen Amts ohne Erklärung geschlossen wurde.


Juli 1996: Bundesaußenminister Klaus Kinkel bei der Einweihung des Rückkehrerzentrums CIMA in Maputo. Der Autor in Bildmitte.


Günter Nooke war dabei, als der amtierende Staatspräsident Mosambiks, Filipe Nyusi, 2015 auf Einladung von Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel Deutschland besuchte.


Im Rahmen dieses Staatsbesuchs wurden Mosambik in Berlin wiederholt große Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung attestiert.


Der Persönliche Afrika-Beauftragte von Bundeskanzlerin Merkel weiß auch vom Treffen des mosambikanischen Präsidenten mit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller.


Dabei wurde in Deutschland ausführlich über den Stand und die Perspektiven der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Mosambik gesprochen und eine Ausweitung des deutschen Engagements im Land der Madgermanes vereinbart.


Als Afrika-Beauftragter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beteiligte sich Nooke zudem am Business Roundtable Mozambique des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft.


In seinem Einführungsstatement hatte sich der Afrika-Beauftragte optimistisch gezeigt, dass deutsche Unternehmen stärker in Mosambik investieren und so auch Arbeitsplätze für die mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiter schaffen könnten.


Dabei hatte er ausdrücklich betont, dass eine konsequente Aufklärung und Verfolgung von Fehlverhalten gepaart mit Dialog- und Versöhnungsbereitschaft sowie strukturelle wirtschaftliche Reformen Vertrauen schaffen.


Angesichts dieser Fortschritte in den bilateralen Beziehungen und der Einsicht, dass es an der Zeit war Fehler offen zu benennen, standen 25 Jahre nach ihrer Abschiebung die Signale für eine späte Reintegration der DDR-Rückkehrer noch auf Grün.


Weshalb dann diese Demütigung und Beleidigung gegenüber den ehemaligen Vertragsarbeitern und ihren legitimen Forderungen, von keinem geringeren als dem Persönlichen Afrika-Beauftragten der Bundeskanzlerin?


Wieso macht der Merkel-Berater 2019 die Regierung eines Landes für das Scheitern der angekündigten Integrationsmaßnahmen verantwortlich, das noch wenige Jahre zuvor als afrikanisches Musterland für Demokratie und gute Regierungsführung gelobt wurde?


Und warum durften die Interessenvertreter der Betroffenen aus Mosambik, als Zeitzeugen und autorisierende Instanz für eine umfassendere Sicht auf die Vergangenheit, nicht auf der Magdeburger Tagung sprechen?


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