Die Weissen Retter

2003 wurde in Maputo erstmals mit öffentlichen Mitteln des deutschen Steuerzahlers das Rückkehrerzentrum ICMA finanziert, nachdem der deutsche Außenminister Klaus Kinkel 1996 zwar ein Zentrum mit ähnlichem Namen (CIMA) eingeweiht hatte, dieses jedoch nicht finanziert und schnell wieder geschlossen wurde. Gemäß vorliegender Unterlagen war das ICMA eine entwicklungspolitische Maßnahme für die Wiedereingliederung der 13 Jahre zuvor aus Deutschland abgeschobenen mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiter und Studenten. Für die Leitung des Rückkehrerzentrums bekam der Geschäftsführer der Rückkehrervereinigung ADECOMA zunächst einen Entwicklungshelferdienstvertrag mit einem Jahresgehalt von 11.000 Euro, doch wurde dem ICMA-Leiter nach wenigen Monaten fristlos gekündigt. Das Rückkehrer Zentrum wurde ab 2004 von einer jetzt in Thüringen lebenden Entwicklungshelferin geleitet und bekam Jahre später den Beinamen Goethe-Zentrum Maputo Die Entwicklungshelferin bekam bis zu ihrem Ausscheiden 2016 und der Aufnahme ihrer Tätigkeit als Leiterin des neuen, umstrittenen Zentrums CCMA in Maputo 100.000 Euro im Jahr + Dienstwohnung, + jährlich 22.000 Euro Mietkostenzuschuss, Dienstfahrzeug, bezahlte Flugreisen etc. Nebenbei besorgte sie gleich noch Einstellungen für ihren Mann und ein paar Freunde, die aus Deutschland und Österreich anreisten. Ihre mosambikanischen Kollegen hingegen verdienten im Jahr zwischen 1.000 und 10.000 Euro. Der Fall wurde vor 3 Jahren bei den deutschen Finanzbehörden, der GIZ, dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut angezeigt. Passiert ist seither nichts. Die jahrelang aus dem ICMA ausgrenzten DDR-Rückkehrer warten bis heute auf eine Erklärung von deutscher Seite und eine öffentliche Finanzierung ihres Zentrums. ..... Dazu ein lesenswerter Artikel über die "Weißen Retter" in dem es ebenfalls um die ungleiche Bezahlung in der Entwicklungshilfeindustrie geht. Seit Jahrzehnten ein Problem, das Geberländer wie Deutschland bis heute bestreiten, das aber in Ländern wie Mosambik zur Realität gehört: Widerstand in Afrika Schwarze als Hilfsobjekte, Weiße als strahlende Retter in der Not: Gegen dieses Abziehbild formiert sich in Afrika immer mehr Widerstand. Doch finanziell ändert sich noch kaum etwas. Eine Hilfsaktion für die britische BBC wurde der Fernsehmoderatorin Stacey Dooley zum medialen Verhängnis: Bei einem Besuch in Uganda posierte sie mit Baby auf dem Arm und postete das Bild auf Instagram. Damit trat sie einen Shitstorm los. „Man geht zu den ärmsten, den wirklich allerärmsten Menschen bei uns und tut so, als wäre das Afrika“, protestierte die Uganderin Olivia Alaso. Wer helfen wolle, solle doch zunächst einmal die Ugander fragen, welche Hilfe sie sich wünschten. „Dann wird sie auch sehr geschätzt werden.“ Dabei haben weder sie noch ihre (weiße) Mitstreiterin Kelsey Nielsen etwas gegen die Ausländer, wie sie betonen, sondern gegen den Mythos des weißen Retters. Die aus den USA stammende Nielsen war selbst eine von denen, die glaubte, Afrika retten zu können. Mit 23 leitete sie ihre eigene Hilfsorganisation und stellte Alaso ein. Verrückt, sagt sie heute. „Da gibt es diese Gruppe vor allem junger, weißer Frauen, die voll motiviert sind und es wirklich gut meinen“, erklärte sie im Podcast „Tiny Spark“ ein Extrem der vermeintlichen Hilfe. „Aber sie haben auch eine irre Überzeugung von dem, wozu sie angeblich berechtigt und fähig sind: Probleme auf der anderen Seite der Welt zu bewältigen, deren Lösung man uns zu Hause niemals anvertrauen würde.“ Heute wisse sie: Der Grund, warum sie der Boss und Alaso die Angestellte war, war ihre Hautfarbe und das damit verbundene Privileg. Schlechte Entwicklungshilfe Das Ausmaß schlechter Entwicklungshilfe könne nicht unterschätzt werden, glaubt auch Tobias Denskus, der an der Universität Malmö Entwicklungs-Kommunikation unterrichtet. Dass sich nach Jahrzehnten erfolgloser Hilfsrezepte aus dem Ausland Frust aufbaue, versteht er. Aus dem Frust Konsequenzen gezogen hat Oxfam. Vor drei Jahren kündigte die Organisation an, mit ihrem internationalen Sekretariat nach Nairobi in Kenia zu ziehen. Dabei gehe es um eine interne Machtverlagerung, betont Marion Lieser, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von Oxfam. „Die drückt sich darin aus, dass es immer mehr Oxfam-Organisationen im Süden gibt.“ Die Idee: Starke Organisationen in den Empfängerländern bestimmen mit, wofür Spenden ausgegeben werden. Ausländer verdienen neun Mal mehr Heba Aly sieht darin einen Trend. Die Direktorin des Informationsdienstes „The New Humanitarian“ beobachtet einen unaufhaltbaren Wandel in der einst von weißen Männern dominierten Entwicklungszusammenarbeit. „Solidarität und Hilfe werden immer demokratischer: Am wichtigsten sind diejenigen, die selber Opfer einer Krise sind, sie sind die ersten Helfer.“ Nicht Leute in weißen Landrovern, sondern lokale Organisationen hätten die richtigen Antworten. „Das ist nicht neu, aber wird jetzt endlich anerkannt.“ Das Lob für lokale Helfer schlägt sich bis heute nicht monetär nieder. Ausländer verdienen mit einem Job in der Entwicklungshilfe bis zu neun Mal mehr als Kollegen aus der Region – bei gleicher Qualifikation. Extras wie Schulgeld oder Wohnungszulage sind da nicht einmal mitgerechnet. Das hat eine Studie im Auftrag des britischen Wirtschafts- und Sozialforschungsrats vor drei Jahren ergeben. Und die Studie sagt auch: Einheimische Helfer empfinden diese Ungerechtigkeit als eines der größten Probleme am Arbeitsplatz. „Keine weißen Retter“ bedeutet in der Entwicklungszusammenarbeit vor allem einen umfangreichen Kulturwandel. Olivia Alaso und Kelsey Nielsen von „NoWhiteSaviors“ wollen es deshalb nicht bei der Kritik belassen. Sie haben eine eigene Hilfsorganisation gegründet, die ugandische Initiativen bündeln und stärken soll. Und natürlich wollen sie unbequem bleiben.