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Chronologie 1989

JANUAR

1989

JANUAR 1989: Anfrage im Bundestag zur Haltung der Bundesregierung gegenüber der RENAMO Am 10. Januar 1989 richten Dr. Uschi Eid und die Fraktion DIE GRÜNEN im Rahmen einer Debatte über Menschenrechtsverletzungen an Kindern in der Dritten Welt im Bundestag eine Anfrage zur Haltung der Bundesregierung gegenüber der RENAMO: “Kann die Bundesregierung Presseberichte über die Greueltaten der von Südafrika finanzierten „Widerstandsbewegung" RENAMO in Mosambik, wo ca. 1,5 Millionen Bauern nach Überfällen ihr Land verlassen haben, bestätigen, und welche Schritte hat die Bundesregierung bisher unternommen und wird sie unternehmen, damit Angriffe der RENAMO gegen die Zivilbevölkerung unterbunden werden?”

JANUAR

1989

JANUAR 1989: P.W. Botha erleidet einen Schlaganfall. FW De Klerk wird Präsident und Vorsitzender der National Party. De Klerk wirbt bei den Wahlen vom 6.9.1989 mit politischen Reformen, gilt aber nicht als Reformer, welcher die Apartheidprobleme endgültig lösen würde. Seine Partei behält die absolute Mehrheit, verliert aber 3% zu seiner Linken an die Demokratic Party und 1,5% zu seiner Rechten an die Conservative Party. Am 16. November 1989 wird der Zugang für Nichtweisse zu ‚Whites-only-beaches’ erlaubt.

FEBRUAR

1989

FEBRUAR 1989: Treffen einer Delegation mosambikanischer Kirchenführer mit RENAMO-Vertretern in Kenia. Nach einigen Vorgesprächen reist eine Delegation mosambikanischer Kirchenführer im Februar 1989 nach Kenia, um Gespräche mit Renamo-Vertretern zu führen. Die Rebellenbewegung behauptet, des langen Konflikts ebenfalls überdrüssig zu sein, und ermutigt die Kirchen, den Prozess fortzusetzen. Daraufhin stellt die Regierung eine Liste mit zwölf Vorbedingungen für die Aufnahme direkter Verhandlungen mit der Renamo auf.

MÄRZ

1989

MÄRZ 1989: Mit einer Pressekonferenz geht die RENAMO erstmals in der Bundesrepublik an die Öffentlichkeit Am 20. März 1989 wird die bis dahin in der Bundesrepublik geheim operierende Rebellenorganisation RENAMO erstmals öffentlich aktiv. Die Guerillas bekämpfen mit südafrikanischer Hilfe die Frelimo-Regierung und sind nach Aussagen eines Beamten der US-Regierung für einen der „schlimmsten Holocauste seit dem Zweiten Weltkrieg“ verantwortlich. Arturo Janeiro da Fonseca, Mitglied des Nationalrats der Renamo und als Sekretär für Außenbeziehungen zweiter Mann in der Hierarchie der Organisation, erklärt in Bonn, nicht die für ihre Brutalität weltweit geächteten Guerillas, sondern die FRELIMO-Regierung sei für die Massaker an der Zivilbevölkerung verantwortlich. Kinder, die westlichen Journalisten gegenüber vom Renamo-Terror berichten, seien alle von der FRELIMO indoktriniert. Bereits seit Beginn der 1980er Jahre wirbt Fonseca, der sich selbst als „Vertreter der RENAMO in der Bundesrepublik“ bezeichnet, von seinem Wohnsitz in Heidelberg aus um Unterstützung für die Rebellenbewegung. Dazu organisiert er verschiedentlich Treffen mit Hilfe konservativer und rechter Kreise auf bundesrepublikanischem Boden. Zu den Unterstützern der Rebellenorganisation in der Bundesrepublik gehören nicht nur CDU-Politiker wie Prof.Werner Kaltefleiter, sondern auch der BND-Agent Wolfgang Richter, der dem im letzten Jahr in Lissabon ermordeten Exgeneralsekretär der Renamo, Evo Fernandes, eine Million Mark zum Kauf von SAM-7-Flugabwehrraketen polnischen Ursprungs auf dem Schwarzmarkt übergeben haben soll. In einem Interview für den Südwestfunk gibt Fonseca zu, dass er in Deutschland für die Lieferung von Waffen an die Guerillabewegung verantwortlich ist und lädt, laut einem Bericht der TAZ, Journalisten ausdrücklich ein, in die von der „RENAMO befreiten Gebiete“ zu reisen. 10 Jahre zuvor, im Juni 1979 hatte die RENAMO ihre erste große PR-Aktion durchgeführt. Ausländische Korrespondenten besuchten ein Renamo-Gebiet nahe der Grenze zu Rhodesien, wo sie André Matsangaissa und einige seiner Männer trafen. Infolge dieser Medienkampagne stieg das Interesse an der Guerillabewegung. Über ihre Auslandsvertretung in Lissabon knüpfte die RENAMO Kontakte zu politischen Parteien, Stiftungen und Forschungseinrichtungen in verschiedenen westlichen Hauptstädten. Diese Verbindungen bedeuteten nicht nur ein Ende der internationalen Isolation der Rebellenbewegung, sondern erwiesen sich für die RENAMO in den folgenden Jahren auch als politisch sehr wertvoll.

MÄRZ

1989

MÄRZ 1989: RENAMO lässt Rot-Kreuz-Helfer frei Am 31. März 1989 lassen die Renamo-Rebellen vier Angestellte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) frei, die sie am 16. März 1989 bei einem Überfall auf die Ortschaft Memba entführt hatten. Zu den Gefangenen gehörte eine Deutsche.

APRIL

1989

APRIL 1989: RENAMO-Angriff in Ressano-Garcia Im April 1989 greifen die RENAMO-Rebellen den Grenzort Ressano-Garcia an. Trotz der Belege einer Beteiligung des südafrikanischen Militärs an der Operation, wird auf diplomatischer Ebene nicht reagiert.

APRIL

1989

APRIL 1989: Der Präsident der Sozialistischen Internationale und ehemalige Bundespräsident, Willy Brandt, nimmt zur Südafrika-Politik der Bundesrepublik Stellung. Selbstkritisch bekennt Brandt im April 1989, dass es auch in der Zeit der sozial-liberalen Bundesregierung eine nicht akzeptable Zusammenarbeit deutscher und südafrikanischer Firmen in rüstungsrelevanten Angelegenheiten gegeben habe. Der Präsident der Sozialistischen Internationale glaubt, erste Wirkungen der „bisher sehr bescheidenen Sanktionen“ gegen Südafrika erkennen zu können. Die bereits eingeleiteten Veränderungen im Land hält er allerdings eher für kosmetisch.

APRIL

1989

APRIL 1989: Gespräch Margaret Thatcher - Michail Gorbatschow In einem Gespräch mit dem Generalsekretär des ZK der KPdSU, Michail Gorbatschow, am 5. April 1989 beschreibt die britische Premierministerin Margaret Thatcher die RENAMO als “one of the most cruel terrorist organizations. They are not just your simple bandits. It is a well-armed terrorist group, equipped with the most modern means of command and communication, and radio interception devices.” Thatcher teilt Gorbatschow mit, dass sie darüber mit den Präsidenten Chissano und Mugabe gesprochen hat: “Chissano is in a very difficult situation. He is trying to establish a contact with RENAMO via the President of Kenya… In Malawi I visited a refugee camp, which is filled with hundreds of thousands of Mozambique nationals, and they continue to cross the border. We need to help Mozambique… RENAMO captures all the delivered food aid.”

MAI

1989

MAI 1989: Besuch des mosambikanischen Präsidenten Chissano in der DDR Während seines DDR-Besuchs vom 24. bis 26. Mai 1989 bemüht sich Staatspräsident Chissano, stillstehende Entwicklungsprojekte in Mosambik wieder anzukurbeln. Beide Seiten betonen die volle Übereinstimmung in den Fragen der Weltpolitik, insbesondere der Friedenssicherung und unterzeichnen Abkommen über die Ausbildung mosambikanischer Bürger und zur Kooperation auf den Gebieten der Kultur, der Wissenschaft und des Gesundheitswesens. Wie das Organ des ZK der SED "Neues Deutschland" berichtet, spiegelt der Besuch der mosambikanischen Delegation den freundschaftlichen und solidarischen Charakter der Zusammenarbeit zwischen der SED und der FRELIMO-Partei wider. Chissano dankt der SED, der Regierung und dem Volk der DDR für die Solidarität und die ständige Hilfe für den Kampf des mosambikanischen Volkes zur Festigung seiner Unabhängigkeit und die Entwicklung des Landes. Der Staatspräsident informiert über die Anstrengungen und die Entschlossenheit des Volkes von Mocambik im Kampf gegen die bewaffneten Banden der RENAMO und bei der Durchsetzung des Programms zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Trotz der schwierigen Kriegssituation und der Notwendigkeit, die Streitkräfte neu zu organisieren, stellt Präsident Chissano bei seinem Besuch in Ost-Berlin , wie zwei Jahre zuvor Armeegeneral Chipande bei seinem Treffen mit DDR-Amtskollegen Keßler, keine neuerlichen Bitten um militärische Hilfe für sein Land. Vor dem offiziellen Freundschaftsbesuch in der DDR hatte Chissano den italienischen Präsidenten Cossiga empfangen. Italien ist seit Jahren größter Hilfegeber und nahm als erstes westeuropäisches Land Möglichkeiten zur wirtschaftIichen Kooperation wahr. Die größte Bedeutung wird jedoch dem Besuch von Portugals Premierminister A.Cavaco Silva beigemessen. Dieser stelIt sich später gänzlich hinter die Friedensinitiative der mosambikanischen Regierung und trifft auch den vermittelnden Erzbischof von Maputo.

MAI

1989

MAI 1989: Unterzeichnung des Nachfolgeabkommens der Schule der Freundschaft zwischen den Regierungen der DDR und Mosambik Eine erste Gruppe von 100 Mädchen und Jungen aus Mosambik, die im Januar 1990 ihren Unterricht an der SdF in Staßfurt beginnen sollen, wird im Herbst 1989 zusammengestellt. Einen Monat nach dem Mauerfall aber werden alle Vorbereitungsmaßnahmen aufgrund einer persönlichen Anweisung des Bildungsministers abgebrochen und die bereits in Maputo wartenden Schüler in ihre Herkunftsorte zurückgebracht.

JUNI

1989

JUNI 1989: Erster RENAMO-Kongress in Mosambik Beim RENAMO-Kongress im Juni 1989 wird der Sekretär für auswärtige Beziehungen, Arturo Janeiro da Fonseca, gegen den in der BRD ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Waffenkäufe eingeleitet worden war, was jedoch später wieder eingestellt wurde, durch ein Mitglied aus der Militärhierarchie, den vormaligen Stabschef Raul Domingos ersetzt. Raul Domingos, der einzige starke Mann neben Afonso Dhlakama, wird später die Friedensverhandlungen leiten und 1992 das Friedensabkommen von Rom unterzeichnen. Acht Jahre später wird er aus der RENAMO ausgeschlossen und 2003 seine eigene Partei die PDD (Partei für Frieden, Demokratie und Entwicklung) gründen.

JUNI

1989

JUNI 1989: Ankündigung des Abzugs der in Mosambik aktiven sowjetischen Militärberater Das mosambikanische Verteidigungsministerium kündigt an, dass innerhalb von zwei Jahren die im Land aktiven, etwa 750 sowjetischen Militärberater abgezogen werden. Die Sowjetunion, über zwei Jahrzehnte Mosambiks wichtigster Partner für militärische Ausbildung und Lieferant militärischer Ausrüstung, hatte 1988 mit dem Rückzug aus Afghanistan bereits ein deutliches Zeichen gesetzt, sich auch aus Mosambik zurückzuziehen. Schon bis zum Jahresende 1989 wird die sowjetische Militärpräsenz im Land deutlich auf etwa 250 Berater reduziert werden.

JULI

1989

JULI 1989: Der 5. Parteikongress der FRELIMO stimmt der Initiative der Regierung zur Aufnahme von Verhandlungen mit der RENAMO zu. Der 5. FRELIMO-Kongress im Juli 1989 zieht die bittere Bilanz der vergangenen sechs Jahre, in denen der Guerillakrieg der von Südafrika instrumentalisierten RENAMO das Land immer weiter in eine wirtschaftIiche und soziale Katastrophe ungeahnten Ausmaßes geführt hatte. Man geht zu diesem Zeitpunkt von 700 Tausend Kriegstoten und geschätzten 15 Milliarden US-Dollar Produktionseinbußen aus. Zu diesem Zeitpunkt war für die Regierungspartei erkennbar, dass der Krieg gegen die Guerillas nicht zu gewinnen war. Bereits auf dem 4. Parteikongress von 1983 war eine Abkehr von der bisherigen, den staatlichen Sektor betonenden Wirtschaftspolitik eingeleitet worden. Nach der dramatischen Zuspitzung der Kriegssituation wurde 1987 ein IWF-gestütztes Wirtschaftsreformprogramm eingeführt. Trotz der zu erwartenden erheblichen sozialen Härten soll dieser Kurs fortgesetzt werden. Wenige Tage vor dem Parteikongress gibt Präsident Chissano offiziell bekannt, dass die Regierung Verhandlungen mit der RENAMO aufnehmen wolle. In einem Grundsatzpapier von zwölf Punkten wird erneut betont, dass es sich bei den Auseinandersetzungen nicht um einen Kampf zweier politischer Parteien, sondern um Destabilisierungsaktionen mittels brutalen Terrors handle. In der Zwischenzeit veröffentlichte die RENAMO ihre eigene Antwort auf Chissanos Zwölf-Punkte-Plan, in der sie ihr Bekenntnis zu demokratischen Institutionen und Werten der freien Marktwirtschaft als Auftakt zu Verhandlungen betonte. Ironischerweise waren viele der von der RENAMO geforderten Vorbedingungen vom Fünften Parteitag der FRELIMO ratifiziert worden. In dem Bemühen, den Ausschluss der RENAMO aus dem Verfassungsgebungsprozess in Maputo zu unterstreichen und gleichzeitig die moralische Überlegenheit in dieser Frage wiederzuerlangen, fordert Dhlakama die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung, die die neue Verfassung ausarbeiten sollte. Er ignoriert die Erklärung der Regierung, dass sie bereit sei, RENAMO-Funktionäre als Einzelpersonen an der Ausarbeitung der Verfassung teilnehmen zu lassen.

JULI

1989

JULI 1989: Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zu Aktivitäten der RENAMO in der Bundesrepublik Deutschland Im Juli 1989 beharrt Wolfgang Schäuble im Bundestag trotz aller vorliegenden Beweise darauf, in der Bundesrepublik würden die Aktivitäten der Terrororganisation RENAMO nicht unterstützt werden. Gleichzeitig erklärt Schäuble, dass die Bundesregierung Auskünfte über Einzelheiten der Arbeit der Nachrichtendienste nur in den dafür vorgesehenen parlamentarischen Kontrollgremien erteilt. In der Vergangenheit aber zeigten zahlreiche politische Affären, in die der Nachrichtendienst verwickelt war, wie es seit der Gründung der Parlamentarischen Kontrollkommission im März 1978 um die Wirksamkeit parlamentarischer Kontrolle des BND stand.

AUGUST

1989

AUGUST 1989: RENAMO unterzeichnet Schutzabkommen mit der Regierung Malawis Mit Kenntnis der mosambikanischen Regierung unterzeichnet die RENAMO-Führung ab August 1989 mehrere Abkommen zur Zahlung von Schutzgeldern mit der Regierung Malawis. Darin verpflichtet sich die Guerilla-Bewegung, die Nacala-Bahnstrecke nicht zu attackieren. Malawi vereinfacht den Rebellen auch Transportverbindungen und den Grenzübergang für Geschäfte mit Edelholz, Cashew-Nüssen, Elfenbein und Edelsteinen. Gezahlt wird mit der malawischen Währung, so dass sofort Konsumgüter erworben werden können. Im Oktober 1990 werden die RENAMO und die Regierung Malawis einen formellen Nichtangriffspakt auf den Nacala-Korridor unterzeichnen. Doch wird die Bahnstrecke im Januar 1991 wegen ausstehender Zahlungen erneut zum Ziel von Angriffen der Terrorbanden. Der letzte RENAMO-Angriff auf den Nacala-Korridor wird am 24. Februar 1991 stattfinden.

AUGUST

1989

AUGUST 1989: Im Süden Leipzigs entsteht ein alternatives Kulturzentrum Im Sommer 1989 wird unter meiner Leitung im Süden Leipzigs der Connewitzer Alternative e.V. gegründet, ein Verein der sich für die Sanierung der Altbausubstanz und für den Aufbau eines alternativen Kulturzentrums einsetzt. Zu den Mitgliedern des Vereins gehören auch viele afrikanische Studenten und Vertragsarbeiter. Aufgrund seiner ausländerfreundlichen Atmosphäre, den Hinterhofkonzerten und preiswerter Gastronomie, wird der Connewitzer Alternative e.V. im Abrissgebiet um die Stöckartstraße, schnell zum beliebten multikulturellen Treffpunkt und auch bei Vertragsarbeitern in anderen DDR-Bezirken bekannt. Abseits restriktiver Aufenthaltsvorschriften, der exzessiven staatlichen Kontroll- und Überwachungspraktiken und geheimdienstlicher Bespitzelung durch STASI und SNASP, bietet Connewitz Raum für einen offenen Kulturdialog, z.B. über Themen wie die Einschränkungen binationaler Beziehungen, Zwangsabtreibungen und Abschiebungen. Nach dem Mauerfall nimmt hier das erste Ausländerberatungsbüro in der DDR seine Tätigkeit auf, ein Jahr vor der Ausländerbehörde des Rates der Stadt Leipzig. Im Treffpunkt in der Stöckartstraße erhalten Vertragsarbeiter Hilfe bei der Übersetzung von Dokumenten, Rechtsfragen und Behördengängen. Im ehrenamtlich und ohne staatliche Unterstützung geleiteten Beratungsbüro sind bald mehr als 500 Vertragsarbeiter aus Sachsen und den Nachbezirken registriert. Zu ihnen gehören die später als Todesopfer fremdenfeindlicher Überfälle bekannten jungen Afrikaner Jorge João Gomondai aus Mosambik und Amadeu António Kiowa aus Angola.

OKTOBER

1989

OKTOBER 1989: Frankfurter Rundschau “Von bundesdeutschem Boden den Terror in Mosambik geplant” Am 4. Oktober 1989 veröffentlicht die Frankfurter Rundschau einen Beitrag unter dem Titel “Von bundesdeutschem Boden den Terror in Mosambik geplant”. Bernd Girrbach, im Juli 1989 mit dem Journalistenpreis Entwicklungspolitik ausgezeichnet, interviewt Arturo da Fonseca. Obwohl vier Monate zuvor abgewählt und durch Raul Domingos ersetzt, stellt sich Fonseca weiterhin als Sekretär für auswärtige Angelegenheiten vor. Der Beitrag nimmt unter anderem Bezug auf die Aussagen des ehemaligen RENAMO-Sprechers, Paulo Oliveira. Der gab im Jahr zuvor in Maputo zu Protokoll, dass der Bundesnachrichtendienst Dhlakama eine Million Dollar bereitgestellt hatte, um Boden-Luft-Raketen russischer Bauart des Typs SAM-7 zu kaufen.

NOVEMBER

1989

NOVEMBER 1989: Parlamentswahl in Namibia Zwischen dem 7. und 11. November 1989 werden in Namibia zum ersten Mal freie Wahlen durchgeführt. Dies wurde durch ein Abkommen mit Angola, Kuba und Südafrika ermöglicht. Südafrika garantierte Namibia die Unabhängigkeit des Landes. Im Gegenzug verpflichtet sich Kuba zum Abzug seiner Truppen aus Angola. Die DDR widmet schon jetzt der Entwicklung in Namibia eine viel größere Aufmerksamkeit als der in Mosamik und entsendet neben einer Beobachtermission 25 Wahlbeobachter und 30 Polizeibeobachter.

NOVEMBER

1989

NOVEMBER 1989: Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Frau Eid und der Fraktion DIE GRÜNEN Mit Schreiben vom 9. November 1989 antwortet der Bundesminister des Auswärtigen, Hans-Dietrich Genscher, zu Menschenrechtsverletzungen an Kindern der Dritten Welt. FRAGE: Kann die Bundesregierung Presseberichte über die Greueltaten der von Südafrika finanzierten „Widerstandsbewegung" RENAMO in Mosambik, wo ca. 1,5 Millionen Bauern nach Überfällen ihr Land verlassen haben, bestätigen, und welche Schritte hat die Bundesregierung bisher unternommen und wird sie unternehmen, damit Angriffe der RENAMO gegen die Zivilbevölkerung unterbunden werden? ANTWORT: Der Bundesregierung liegen hierzu keine eigenen Erkenntnisse vor. Die der Bundesregierung vorliegenden Zahlen zum mosambikanischen Flüchtlingsproblem basieren auf dem „Gersony- Report" (Summary of Mozambican Refugee Accounts of Principally Conflict-Related Experience in Mozambique) des US-Außenministeriums vom April 1988. Die Bundesregierung unterhält keine Kontakte zu RENAMO und hat daher keine Möglichkeit, die Angriffe dieser Organisation gegen die Zivilbevölkerung zu unterbinden. FRAGE: Ist der Bundesregierung bekannt, dass Kinder von der RENAMO zu Plünderern und Mördern „abgerichtet" werden, die als „Training" willkürlich Gefangene oder sogar eigene Verwandte ermorden und zerstückeln müssen, und wenn ja, wie viele Kinder müssen nach Erkenntnissen der Bundesregierung auf diese Weise in den Reihen der RENAMO dienen? ANTWORT: Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor. FRAGE: Ist die Bundesregierung mit uns der Ansicht, dass Kinder bei der Verarbeitung grausamer Kriegserlebnisse nicht alleingelassen werden dürfen und daher dringend Rehabilitationszentren für Kinder mit traumatischen Erlebnissen eingerichtet werden müssen, wie sie z. B. in Maputo, aber auch in Manila schon existieren? Unterstützt die Bundesregierung diese Zentren, und wenn ja, mit welchem finanziellen Betrag? In welchen Krisengebieten existieren bereits Einrichtungen dieser Art, und wo sind weitere Zentren geplant? ANTWORT: Die Bundesregierung verschließt sich der Notwendigkeit der Einrichtung von Rehabilitationszentren nicht. Ihr ist bekannt, dass in Manila eine derartige Einrichtung besteht, die jedoch im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit nicht gefördert werden kann, da kein entsprechender Wunsch der philippinischen Regierung vorliegt. Der Bundesregierung ist nicht bekannt, ob in Maputo ein derartiges Rehabilitationszentrum existiert, ebensowenig, ob weitere Einrichtungen dieser Art bereits existieren oder geplant sind.

DEZEMBER

1989

DEZEMBER 1989: Im Bezirk Rostock wird ein geheimes Waffenlager der DDR entdeckt Am 2. Dezember 1989 finden Einwohner von Kavelstorf im Bezirk Rostock ein geheimes Waffenlager mit Kalaschnikows, Sturmgewehren, Pistolen, sowie großen Mengen an Munition und decken so den Waffenhandel der DDR auf. In den Kisten werden 24.780 Maschinenpistolen, 1.398 Maschinengewehre, 1.691 Revolver, Pistolen, und Gewehre sowie 198 Karabiner gezählt. Dazu 53 Millionen Patronen Munition. Tage später wird bekannt, dass im November 1989 bereits Panzerfäuste und 502 Dezitonnen Handgranaten vom Gelände des Zwischenlagers geschafft wurden. Bei den Waffenfunden werden auch Zoll-Kennzeichen der Bundesrepublik mit der Marke der Bundesfinanzverwaltung entdeckt. Das Waffenlager der IMES GmbH (Import-Export GmbH, Tarnbezeichnung), die eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zusammenarbeitete, war bereits im Herbst 1984 errichtet worden. Das geheime Waffenversand-Unternehmen wurde 1981 auf Anweisung vom ZK-Sekretär der SED für Wirtschaftsfragen der Planwirtschaft der DDR, Günter Mittag, gegründet. Koordiniert wurde das Geschäft vom Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel und Leiter des KoKo-Imperiums, Alexander Schalck-Golodkowski, der Ende 1989 noch Büros in den Städten Maputo und Beira hat. Dieser setzt sich noch in der Nacht nach West-Berlin ab wird am Folgetag auf der letzten Sitzung des ZK der SED in Anwesenheit aus der Partei ausgeschlossen. Im Auftrag der Partei- und Staatsführung diente das streng geheimgehaltene Geschäft mit der Lieferung von Waffen und Munition in Krisengebiete und Entwicklungsländer lange Jahre der Devisenbeschaffung. Die DDR-Handelsschiffe, die vom Rostocker Überseehafen ablegten, steuerten auch Häfen in Südafrika und Mosambik an. Am 13. Dezember 1989 beginnt die Volksmarine mit der Verladung und dem Abtransport des Waffenmaterials im Wert von etwa 27 Millionen D-Mark. Berichten zufolge gelangte ein Teil des “entsorgten” Materials später über die Bundeswehr nach Südafrika. Die Berliner Justiz und die 1991 gegründete Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) werden später nicht ermitteln können, wohin das Geld der IMES geflossen ist. Auf dem Konto 0773 der Waffenhandelsfirma bei der KoKo-Hausbank “Deutsche Handelsbank” befanden sich Ende 1989 nur noch 326.879 D-Mark und 6 Pfennige.

DEZEMBER

1989

DEZEMBER 1989: Interview mit RENAMO-Führer Dhlakama in Nairobi RENAMO-Führer, Afonso Dhlakama, beantwortet im Dezember 1989 bei einem Interview in Nairobi die Frage zum Ursprung der Guerilla-Bewegung: “Als die RENAMO 1977 den bewaffneten Kampf begann, gab es in Rhodesien viele Leute, die vor der FRELIMO geflohen waren, Militärs und Politiker, die überlegten, wie man auf den Marxismus in Mosambik reagieren kann. So hatten wir die Gelegenheit, diese Mosambikaner zu kontaktieren, und sie wiederum hatten Freunde, darunter einige Weiße, und wir bekamen Hilfe. Es gibt nichts zu verbergen. Wir erhielten eine kleine Unterstützung mit Kriegsmaterial. Dies endete 1980 mit der Unabhängigkeit Simbabwes. Aber RENAMO wurde nicht von den Geheimdiensten von Ian Smith geschaffen, um gegen Mosambik zu kämpfen, wie die ganze Welt gehört hat. Die FRELIMO hat diese Propaganda geschaffen, wie viele ihrer Verbündeten. Sie versuchen, das zu betonen. Aber nein, wir wurden nicht von Ian Smith erschaffen. Doch wir hatten die Unterstützung von Rhodesien.” Die meisten Analysten behaupten, dass der rhodesische Geheimdienst für die Gründung von RENAMO von zentraler Bedeutung war. Doch hat es bereits anderen bewaffneten Widerstand gegen die FRELIMO gegeben, mit sehr eingeschränkter Unterstützung aus dem Ausland. So war die Bewegung “Africa Livre” (Freies Afrika), eine dunkle Gruppe von Aufständischen Ende der 1970er Jahre in der Provinz Tete aktiv und führte sporadische Guerilla-Überfälle durch. 1980 wurde die Gruppe durch Armeeoffensiven zerschlagen. Einzelne Mitglieder wurden 1982 in die RENAMO aufgenommen.

1989 Von bundesdeutschem Boden den Terror in Mosambik geplant. Frankfurter Rundschau, Girrbach, Bernd 1989 Nampula. What’s Left? In Southern Africa Report, Roesch, Otto 1989 'Renamo - Anti-communist Insurgents in Mozambique'. U. S. Global Strategy Council, Cline, Sibyl 1989 The Mozambican National Resistance (Renamo) as described by Ex-Participants'. Minter W. 1989 Der Sozialismus in Afrika in der Krise, in: Afrika Jahrbuch. Meyns, Peter 1989 Renamo: The Khmer Rouge of Africa; Frelick, Bill 1989 Soviet Strategy Toward Southern Africa, Daniel Kempton 1989 Migrancy and Militance: The Case of the National Union of Mineworkers of South Africa, Jonathan Crush 1989 Revolution and Counter-Revolution in Africa, Nzongola Ntalaja 1989 Mozambique: A Dream Undone. The Political Economy of Democracy 1957-84, Bertil Egero 1989 Afro-Marxist Regimes: Ideology and Public Policy, Edmond J. Keller; Donald Rothchild 1989 Third World Film Making and the West, Roy Armes 1989 An African Voice. The Role of the Humanities in African Independence, Robert W. July 1989 An inside View of Mozambique from Colonialism to Independence, 1905-1975, Raul Honwana; Allan F. Isaacman 1989 Inequality in Africa: Political Elites, Proletariat, Peasants and the Poor, E. Wayne Nafziger 1989 The Soviet Union, The Third World and Southern Africa, Jack Spence 1989 Quo vadis Südafrika? Hintergrund, Analyse und Folgerungen aus den Parlamentswahlen, Karcher, Günther 1989 Rassismus - Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs. Miles, Robert 1989 Women and the State in Africa, Brydon Lynne 1989 Duplo Massacre em Moçambique. Histórias Tragicas do Banditismo. Lina Magaia 1989 The United States and South Africa: The Reagan Years, Mc Lean 1989 The Reagan Paradox, Bell C. 1989 Diplomacy and the Angola/Namibia Accords. Berridge, G.R. 1989 Rethinking the “Reagan Doctrine” in Angola. McFaul, M.

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