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Chronologie 1992

JANUAR

1992

JANUAR 1992: Ausschreitungen von DDR-Rückkehrern in Maputo und Beira Zum dritten Mal kommt es nach gewalttätigen Protesten im Dezember 1990 und April 1991 durch militante Rückkehrer aus Deutschland zu Ausschreitungen vor dem Arbeitsministerium in Maputo. Die zweitägigen Proteste beginnen am 14. Januar 1992 um 9 Uhr. Zuvor hatten sich 700 bis 800 DDR-Rückkehrer, einige mit RENAMO-Fahnen, im “Jardim de Liberdade” (Garten der Freiheit) versammelt. Ihren Treffpunkt in Maputo, eine runtergekommene Toilette im Park, später als “Jardim dos Madgermanes” bekannt, hatten sie in Anlehnung an die Militärbasis der Guerillabewegung Dhlakamas in Maringué in Zentralmosambik mit der Aufschrift “Base Central Madgermany” versehen und die Fassade mit den Farben der Deutschlandflagge gestrichen. Vom Park aus ziehen die RENAMO-Anhänger vor das Arbeitsministerium, blockieren Straßen und errichten Barrikaden. Die Polizei gibt Warnschüsse in die Luft ab, hält sich aber zurück. Zuvor wurden Gerüchte in Umlauf gebracht, die Bundesregierung hätte 360 Millionen D-Mark (ca. 288 Millionen US$) als Entschädigungszahlungen nach Mosambik überwiesen. Noch am selben Abend versichert der mosambikanische Arbeitsminister, Teodato da Silva Hunguana, dass Mosambik kein Geld aus Deutschland empfangen hat und betont, die Zahlung einer solchen Summe wäre von beiden Seiten öffentlich gemacht worden. In seiner Erklärung gegenüber den mosambikanischen Medien erwähnt der Minister, dass die Bundesregierung wiederholt versichert hat, die Reintegration der ehemaligen Vertragsarbeiter finanziell mit 300 Millionen US$ zu unterstützen. Diese Aussagen bestätigt auch der Sekretär für Zusammenarbeit und Information bei der Deutschen Botschaft, Niels Breyer, und versichert, dass das von der Bundesrepublik finanzierte Programm zur Reintegrationsförderung in Zusammenarbeit zwischen dem BMZ und der Rückkehrervereinigung ADECOMA bereits im kommenden Monat die Arbeit aufnehmen wird. Gegenüber Journalisten weist der Vertreter des Auswärtigen Amts in Maputo Pressemeldungen und bereits im Jahr zuvor in Umlauf gebrachte “Gerüchte” zurück, wonach Rückkehrer von der Deutschen Botschaft zu Protesten gegen die mosambikanische Regierung aufgewiegelt werden. Trotz dieser offiziellen Stellungnahmen eskaliert die Situation am Folgetag. Die RENAMO-Anhänger zünden vor dem Ministerium das Auto eines Dozenten der Universität UEM an, stürzen Autos um und errichten Barrikaden. Mehrere Fahrzeuge werden beschädigt und ein Textilgeschäft zerstört. Die ehemaligen Vertragsarbeiter drohen damit, das unter dem Krieg leidende Land in ein zweites “Zaire” zu verwandeln, sollten ihre Forderungen nicht sofort erfüllt werden. In Kinshasa war es zu schweren Unruhen und Protesten gegen das Regime von Präsident Mobutu Sese Seko gekommen, die international Schlagzeilen machten. Als es der Polizei in Maputo gelingt, mit dem Einsatz von Hunden die protestierenden DDR-Rückkehrer auseinanderzutreiben, ziehen diese zur Avenida 25 de Setembro und zerstören auch dort mehrere Fahrzeuge und Geschäfte. Mitglieder der Rückkehrervereinigung ADECOMA, die zum Ende der Gewalt aufrufen und beide Regierungen zum Dialog auffordern, werden von den aufgebrachten RENAMO-Anhängern als “Traidores” (Verräter) und “Filhos do Honecker” (Honeckers Kinder) beschimpft. Auch in der Stadt Beira kommt es am zweiten Tag der Unruhen zu gewalttätigen Protesten von mehreren Hundert DDR-Rückkehrern. Diese errichten Barrikaden, werfen Steine auf Autos und legen den Verkehr lahm. Restaurants und Geschäfte im Stadtzentrum bleiben den gesamten Tag geschlossen. In Beira gelingt es einer Gruppe militanter RENAMO-Anhänger, in die Provinzdirektion für Arbeit einzudringen, wo die Plünderer zahlreiche Dokumente vernichten. Erst in den Abendstunden kann die angerückte Schnelle Eingreiftruppe die Ordnung wiederherstellen.

JANUAR

1992

JANUAR 1992: Die mosambikanische Presse zu den Ausschreitungen der DDR-Rückkehrer Die gewaltsamen Ausschreitungen militanter DDR-Rückkehrer in Maputo und Beira werden nicht nur von der kriegsleidenden Bevölkerung, sondern auch von den staatlichen Medien scharf verurteilt. So werden die neuen RENAMO-Anhänger aus der “Base Central Madgermany” in zahlreichen Beiträgen und Leserbriefen in der Tageszeitung “Notícias” als “RENAMO-Marionetten”, “Tumor der mosambikanischen Gesellschaft” und “Söldner ausländischer Aggressoren” bezeichnet. Nannte man die Tausenden aus Deutschland ankommenden jungen Mosambikaner zunächst die “Regressados” (Rückkehrer), wurde nach den gewaltsamen Ausschreitungen 1990 und 1991 das Wort “Madgermanes” populär und von den protestierenden DDR-Rückkehrern bald selbst als Identifikationsbegriff übernommen. Zuerst hatte die Bevölkerung in Maputo mit Kommentaren wie “Olha para eles! Esses são os Madgermanes!” (Seht sie euch an! Das sind die Madgermanes!) ihre Ablehnung gegenüber den als privilegiert geltenden Störenfrieden aus Deutschland zum Ausdruck gebracht, die in der Polithochburg der FRELIMO ganz offen ihre Sympathie mit den Banden Dhlakamas zum Ausdruck brachten, welche bereits vor den Toren der Hauptstadt plünderten und mordeten. Weil die ehemaligen Vertragsarbeiter in der Umgebung des Parks “Jardim de Liberdade” selbst zur normalen Arbeitszeit demonstrativ viel Bier konsumieren, werden sie oft auch als “Xiconhocas” bezeichnet. Viele Passanten fordern, die Regierung möge sie mit “Chibalo”, einem kolonialen System der Zwangsarbeit, bestrafen oder zum Militär einberufen. Die populäre Figur des “Xiconhoca” gehörte schon bald nach der Unabhängigkeit Mosambiks zum Propaganda-Repertoire der FRELIMO-Regierung und verkörperte den “inneren Feind”. Die Karikatur wurde im ganzen Land bekannt als Symbol für das faule, staatszersetzende Verhalten von Schmarotzern und Feinden der Unabhängigkeit und Souveränität Mosambiks. Bei der ersten Veröffentlichung der Karikatur in der Ausgabe der Zeitschrift “Tempo” vom 12. September 1976, wurde der “Xiconhoca” so beschrieben: “Er hat den Mund eines Klatschweibes, Hände eines Hamsters, die Nase eines Spekulanten, Augen eines Rassisten, Zähne eines Regionalisten und Füße eines Unruhestifters.” Obwohl sich in den letzten beiden Kriegsjahren nur weniger als ein Zwanzigstel der mehr als 16 Tausend DDR-Rückkehrer der Gruppe militanter RENAMO-Anhänger anschließen und diese Zahl bald nach unten tendieren wird, genügte der geringe Prozentsatz Problematik aus der “Base Central Madgermany” zur Stigmatisierung der überwältigenden Mehrheit, die sich nicht an den Unruhen beteiligte und sich auch später nicht vom Auswärtigen Amt für die Hetze gegen die eigene Regierung instrumentalisieren ließ. Dies führt dazu, dass viele ehemalige Vertragsarbeiter und Absolventen der “Schule der Freundschaft”, trotz Teilfacharbeiter-, Facharbeiter- oder Meisterabschlüsse, bei Bewerbungen auf dem lokalen Arbeitsmarkt abgelehnt werden und nach Kriegsende ihre für den Wiederaufbau und die Ankurbelung privatwirtschaftlicher Initiativen wichtigen beruflichen Erfahrungen dem Land über Jahrzehnte verlorengehen werden. Zu Beginn der 1990er Jahre gibt es im Einparteienstaat über 30 Tausend Parteizellen in Behörden und an Arbeitsplätzen. Personalabteilungen haben keine Möglichkeit, zwischen denen zu unterscheiden, die sich an gewalttätigen Protesten beteiligen und denen, die sich von den Ausschreitungen distanzieren - in der öffentlichen Wahrnehmung werden bald alle “Regressados” zu “Madgermanes”. Die massive gesellschaftliche Verachtung, die den DDR-Rückkehrern entgegenschlägt, liegt auch darin begründet, dass sich die gewalttätigen Ausschreitungen und Proteste der neuen Anhänger Dhlakamas gegen eine Regierung richten, die zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr vordringlich um einen Waffenstillstand und Erfolge bei den Friedensverhandlungen bemüht ist. Die groß angelegte RENAMO-Offensive in den Städten seit Dezember 1991 zielt vor allem darauf ab, die Stadtbevölkerung weiter zu verunsichern und das Vertrauen in die Regierungsfähigkeit weiter zu untergraben. Einige Mitglieder des RENAMO-Nationalrates glauben immer noch, dass die Regierung unter anhaltendem militärischen Druck zusammenbrechen wird und dass die RENAMO automatisch an die Macht kommt. Die groß angelegte RENAMO-Offensive in den Städten seit Dezember 1991 zielt vor allem darauf ab, die Stadtbevölkerung weiter zu verunsichern und das Vertrauen in die Regierungsfähigkeit weiter zu untergraben. Einige Mitglieder des RENAMO-Nationalrates und rechte Kräfte in der Bundesrepublik glauben immer noch, dass die Regierung unter anhaltendem militärischen Druck zusammenbrechen wird und dass die RENAMO automatisch an die Macht kommt. Die Abschiebung der von der Regierung Machels in das sozialistische Bruderland entsandten Hoffnungsträger für den Wiederaufbau Mosambiks und ihre Rekrutierung im Dienste des Kriegsgegners ist Teil dieser gemeinsamen Strategie. Die gewalttätigen Ausschreitungen und die politische Hetze in den Städten Maputo und Beira wirken in der öffentlichen Wahrnehmung stärker als die Bekundungen mosambikanischer Regierungsvertreter, dass nach den getroffenen Vereinbarungen, Institutionen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus Deutschland die Verantwortung für die Finanzierung konkreter Reintegrationsmaßnahmen der Ausgewiesenen übernehmen. Während die internationale Gemeinschaft besorgt ist, die RENAMO könne sich aus dem eingeleiteten Friedensprozess lösen, glaubt Dhlakama, dass er so viel Territorium wie möglich erobern muss, bevor die RENAMO ein ernsthaftes Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

JANUAR

1992

JANUAR 1992: Die mosambikanische Regierung lässt den Einsatz chemischer Waffen prüfen Einen Tag nach den gewalttätigen Protesten der RENAMO-Anhänger in Maputo und Beira kommt es am 16. Januar 1992 in der Grenzregion Macaene zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den Guerillas. Bei den Kampfhandlungen in Ngungwe soll die RENAMO nach Augenzeugenberichten von südafrikanischen Militärs gelieferte chemische Waffen eingesetzt haben, was jedoch nie abschließend geprüft wird. Die Beziehungen zu Südafrika bleiben weiterhin belastet durch Landkaufversuche rechtsextremer Gruppen aus Südafrika im Süden Mosambiks, nicht entkräftete Indizien für eine fortgeführte militärische Unterstützung der Guerillas, vor allem aber durch die zunehmende militärische Kooperation zwischen RENAMO und der INKATHA, einschließlich Waffenschmuggel und Söldnereinsatz.

FEBRUAR

1992

FEBRUAR 1992: Debatte zur Völkerrechtlichen Praxis der Bundesrepublik Deutschland In einer Bundestagsdebatte zur Völkerrechtlichen Praxis der Bundesrepublik Deutschland wird die “großzügige Rückkehrhilfe” für Tausende in ein Kriegsland abgeschobene Vertragsarbeiter erstmals mit Zahlen belegt. Die Bundesregierung bestätigt, dass im Rahmen der humanitären Soforthilfe für ein in Maputo gelegenes Durchgangslager, sowie Reise- und Transportkosten der Rückkehrer in ihre größtenteils durch militärische Auseinandersetzungen isolierten Heimatprovinzen lediglich 50.000 DM bereitgestellt wurden. Diese Information wird den Rückkehrer-Initiativen in Mosambik jahrelang vorenthalten.

MÄRZ

1992

MÄRZ 1992: Weiterhin Waffenlieferungen aus Südafrika an die RENAMO-Rebellen Am 08. März 1992 belegt ein Bericht des Pentagon-Geheimdienstes DIA (Defense Intelligence Agency), dass südafrikanische Militärs die Renamo-Rebellen im benachbarten Mosambik weiterhin mit Waffen versorgen. Den Aussagen eines geflüchteten Buschkämpfers zufolge, der von der DIA verhört wurde, flogen noch im vergangenen Jahr zivile Hubschrauber ohne Kennzeichnung Gewehre, Granatwerfer und Munition in die Guerilla-Basen jenseits der Grenze. Auf ihrem Rückflug wurden Rebellen zur Spezialausbildung in ein geheimes Lager in der Nähe des Krüger-Nationalparks gebracht. Im Report wird vermutet, die Militärs handelten ohne Wissen der Regierung in Pretoria.

MÄRZ

1992

MÄRZ 1992: Die Bundesregierung bestätigt das Erlöschen völkerrechtlicher Übereinkünfte der DDR mit Mosambik Bonn stellt durch eine an die Regierung der Republik Mosambik gerichtete Verbalnote vom 24. März 1992 fest, dass die völkerrechtlichen Übereinkünfte zwischen der DDR und der Volksrepublik Mosambik erloschen sind. Die Bekanntmachung wird am 4. August 1992 veröffentlicht.

MÄRZ

1992

MÄRZ 1992: Bei der Mikrokredit-Anstalt SOCREMO started das Existenzgründungsprogramm für ehemalige Vertragsarbeiter Wie beim Seminar im November 1990 und beim Treffen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Februar 1991 angekündigt, startet im März 1992 das Existenzgründungsprogramm der GTZ für die ehemaligen Vertragsarbeiter. Zu diesem Zweck war die Mikrokredit-Anstalt SOCREMO gegründet worden. Geleitet wird das Förderprogramm von Ulrike Strack von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Maputo. Unser Hauptansprechpartner in dem bundeseigenen Unternehmen ist der Leiter des GTZ-Büros, Wolfgang Stiebens. Mein Umzug vom Außenbezirk Laulane in die Innenstadt Maputos soll den Kontakt mit den zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 500 Mitgliedern erleichtern. In meiner Wohnung in der Ho-Chi-Minh-Straße richte ich einen Büroraum ein und stelle technisches Gerät zur Verfügung. Wir besorgen ein Postfach und beantragen einen Telefon- und Faxanschluss.

MÄRZ

1992

MÄRZ 1992: Bei der Mikrokredit-Anstalt SOCREMO started das Existenzgründungsprogramm für ehemalige Vertragsarbeiter Wie beim Seminar im November 1990 und beim Treffen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Februar 1991 angekündigt, startet im März 1992 das Existenzgründungsprogramm der GTZ für die ehemaligen Vertragsarbeiter. Zu diesem Zweck war die Mikrokredit-Anstalt SOCREMO gegründet worden. Geleitet wird das Förderprogramm von Ulrike Strack von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Maputo. Unser Hauptansprechpartner in dem bundeseigenen Unternehmen ist der Leiter des GTZ-Büros, Wolfgang Stiebens. Mein Umzug vom Außenbezirk Laulane in die Innenstadt Maputos soll den Kontakt mit den zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 500 Mitgliedern erleichtern. In meiner Wohnung in der Ho-Chi-Minh-Straße richte ich einen Büroraum ein und stelle technisches Gerät zur Verfügung. Wir besorgen ein Postfach und beantragen einen Telefon- und Faxanschluss.

MÄRZ

1992

MÄRZ 1992: Getrennte Gespräche zwischen US- Vizeaußenminister für Afrika, H.Cohen, Chissano und Dhlakama Die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe in die RENAMO-kontrollierten Gebiete bleibt weiterhin ein überaus strittiges Thema bei den Friedensverhandlungen, weil die militärische Führung der RENAMO-Rebellen die Idee von Friedenskorridoren zum Transport von Nahrungsmittelhilfe ablehnt. Erst der Einsatz von US-Vizeaußenminister für Afrika, H.Cohen ermöglicht die Verabschiedung einer Erklärung über PrInzipien und Richtlinien für Humanitäre Hilfe. Die Verhandlungspartner verpflichteten sich darin, den freien und ungehinderten Zugang in die betroffenen Gebiete herzustellen und keine militärischen Vorteile aus den Hilfsaktionen zu ziehen. Dennoch wird die RENAMO bis zum Friedensschluß faktisch keine Hilfskonvois auf den Straßen der von ihr besetzten Gebiete erlauben.

APRIL

1992

APRIL 1992: Angriff der RENAMO-Rebellen auf den Stadtbezirk Laulane Am 23. April 1992 gelingt den RENAMO-Rebellen in der Hauptstadt ein Angriff auf den Stadtbezirk Laulane, wo ich noch einen Monat zuvor ein Zimmer gemietet hatte. Nach Augenzeugenberichten waren an dem Angriff mehr als Hundert Kindersoldaten beteiligt, die jüngsten von ihnen grad erst 7 oder 8 Jahre alt. Untersuchungen von “Africa Watch” zeigen in den letzten beiden Kriegsjahren einen deutlichen Anstieg der Rekrutierung von Kindersoldaten für die Truppen Dhlakamas. Demnach ist in der Nordprovinz Nampula das Alter minderjähriger Kämpfer erstmals deutlich under 15 gefallen.

APRIL

1992

APRIL 1992: Dr. Bernhard Weimer wird neuer Koordinator der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mosambik Im April 1992 löst Dr. Bernhard Weimer den seit 1987 tätigen Reinhold Schattenfroh als Koordinator der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mosambik ab. Zu diesem Zeitpunkt sind bei der ADECOMA in Erwartung der Realisierung der angekündigten Fachkräfteprogramme, Existenzgründungsseminare, Arbeitsbeschaffungs-maßnahmen und Initiativen wie die Pflege der deutschen Sprache und die Wiederaufnahme familiärer Kontakte, bereits über Tausend Madgermanes registriert. Trotz der zuvor mit der Friedrich-Ebert-Stiftung getroffenen Vereinbarungen, lehnt der neue Koordinator der FES die Förderung der mitgliederstarken Rückkehrervereinigung ADECOMA ab. Der Generaldirektor des von der Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützten Consulting-Unternehmens GAPI, António Souto, und der Projektmanager, Carsten Sandhop, schließen sich den Vorgaben von Dr. Bernhard Weimer an und ignorieren die Selbsthilfe-Initiativen der ADECOMA. Im Rahmen seines offiziellen Staatsbesuchs in Deutschland im September 1991 hatte Präsident Chissano sich auch mit Vertretern der Friedrich-Ebert-Stiftung getroffen. An die appellierte er, die Reintegration der ehemaligen Vertragsarbeiter zu unterstützen. Die FES-Vertretung in Mosambik aber wird mit Mitteln, die eigentlich zu Förderung von Organisationen der Zivilgesellschaft und im konkreten Fall für die Rückkehrervereinigung ADECOMA bestimmt sind, vorwiegend staatliche Einrichtungen finanzieren. Zu ihnen gehört das Staatliche Fernsehen TEM/TVM, der Regierungssender RM und die 1979 gegründete und seit 1983 mit staatlichen Mitteln geförderte “Companhia Nacional de Canto e Dança” (das Nationale Gesangs- und Tanzensemble) des Kulturministeriums, von dem viele Tänzer nach der Unabhängigkeit in der Sowjetunion und in Kuba eine Ausbildung erhielten.

MAI

1992

MAI 1992: Nach dem Rücktritt von Hans-Dietrich Genscher wird Klaus Kinkel zum Bundesaußenminister ernannt Am 18. Mai 1992 übernimmt der ehemalige BND-Chef und FDP-Politiker Klaus Kinkel die Amtsgeschäfte des zurückgetretenen Bundesministers des Auswärtigen, Hans-Dietrich Genscher. Kinkel galt als Ziehsohn Genschers, dessen geringes Interesse für afrikanische Fragen seit langem offensichtlich gewesen war. Der neue Außenminister nutzt zu Beginn seiner Amtszeit die Gelegenheit eines Empfangs für die afrikanischen Botschafter in Bonn zu einer Absichtserklärung. Er versprach, sich verstärkt um Afrika kümmern zu wollen. Die Belange der Dritten Welt sowie Fragen der Gerechtigkeit und der Einhaltung der Menschenrechte werden, so Kinkel, ein Eckstein seiner Politik werden.

MAI

1992

MAI 1992: PDS verzichtet auf das Auslandsvermögen der SED Am 14. Mai 1992 unterzeichnet die PDS in Berlin einen Verzichtsantrag auf ihr gesamtes Auslandsvermögen. Mit der Unterschrift vollzieht die Partei den 1990 gefassten Beschluss, auf die Auslandsgelder der SED zu verzichten.

JUNI

1992

JUNI 1992 Weitere Buchveröffentlichung über die Destabilisierung Mosambiks Mit dem Buch “A Complicated War - The Harrowing of Mozambique” von William Finnegan wird 1992 ein weiteres Buch veröffentlicht, das sich mit dem Destabilisierungskrieg in Mosambik beschäftigt. Nach dem Ende des Kalten Krieges erscheinen mehrere Titel, in denen die bundesdeutsche Unterstützung des Terrors der RENAMO-Guerillas und dessen verheerende Auswirkungen für das mosambikanische Volk thematisiert werden: Jürgen Roth “Die Mitternachtsregierung” (1990), Alex Vines “RENAMO - Terrorism in Mozambique” (1991), Erich Schmidt-Eenboom “Der BND - die unheimliche Macht im Staate” (1993)

AUGUST

1992

AUGUST 1992: Erstes direktes Treffen zwischen Präsident Chissano und Renamo-Führer Dhlakama in Rom Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn treffen sich die Führer der beiden Kriegsparteien zu einem direkten Gespräch. Vorrangiges Ziel des von Simbabwes Präsident Mugabe eingefädelten Treffens zwischen Staatspräsident Joaquim Chissano und dem Guerilla-Führer Alfonso Dhlakama in Rom ist es, einen Zeitplan für die Unterzeichnung eines Waffenstillstands zu vereinbaren. Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass die FRELIMO-Regierung gezwungen ist, die international verurteilte RENAMO nun als politischen Widerpart und gleichberechtigten Partner am Verhandlungstisch zu akzeptieren. Lange schon waren bei den Regierungstruppen Symptome von Kriegsmüdigkeit zu verzeichnen. Wegen des monatelangen Ausbleibens von Soldzahlungen kommt es immer häufiger zu Protesten.

AUGUST

1992

AUGUST 1992: Entwicklungsminister Spranger legt neues BMZ-Konzept vor Nach dem personalpolitischen Signal der Entlassung des für seine besondere Affinität zu Diktatoren bekannten BMZ-Staatssekretärs Siegfried Lengl, legt Entwicklungsminister Spranger Mitte August 1992 das neue BMZ-Konzept “Entwicklungszusammenarbeit mit den Ländern Afrikas südlich der Sahara in den 90er Jahren” vor. Entgegen der Ankündigung, mit dem neuen Konzept den tatsächlichen Problemen im Südlichen Afrika Rechnung zu tragen, geht das Entwicklungsministerium damit den ersten Schritt der Reduzierung der traditionellen Projekthilfe zugunsten einer Ausweitung der korruptionsfördernden Programmhilfe. Die Nachfolgerin Sprangers, Heidemarie Wieczorek-Zeul, wird dieses Konzept ausbauen und die Regierungseliten afrikanischer Länder zu korrupten Machenschaften einladen.

SEPTEMBER

1992

SEPTEMBER 1992: Appell der mosambikanischen Regierung für Hilfe in der Hungerkrise Am 12. September 1992 töten die RENAMO-Guerillas 18 Zivilisten in der Provinz Maputo. Am gleichen Tag wird unweit der Provinzhauptstadt Quelimane ein Hilfskonvoi angegriffen. Angriffe der Rebellen erschweren weiterhin die Versorgung der hungernden Bevölkerung mit Nothilfe. Afonso Dhlakama behauptet, dass die RENAMO bereits 80% des Territoriums des Landes kontrolliert, Gebiete die der Rebellenführer als “befreite Zonen” bezeichnet. Internationale Beobachter zweifeln diese Zahlen an. In der Veröffentlichung des Southern African Research an Documentation Centre SARDC wird Dhlakama mit Hitler verglichen: “The RENAMO leader is a bit like Hitler at the end of the Second World War. Nobody dares tell him the bad news for fear of what will happen to them and he is isolated from truth.”

OKTOBER

1992

OKTOBER 1992: Friedensabkommen in Rom Am 4. Oktober 1992 unterzeichnen Staatspräsident Joaquim Chissano und RENAMO-Führer Afonso Dhlakama in Rom nach langen Verzögerungen und vielen Rückschlägen ein Allgemeines Friedensabkommen. Die Vereinbarung soll den Weg ebnen für einen dauerhaften Frieden, nationale Versöhnung, Demokratisierung und die Abhaltung der für Oktober 1993 geplanten freien Wahlen. Die Bilanz des Leidens in Mosambik, dem nun ärmsten Land der Welt, ist verheerend. Krieg, Dürre und Repression hatten mehr als 5 Millionen Menschen entwurzelt und 1,7 Millionen zur Flucht ins Ausland gezwungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern liegt Anfang der 1990er Jahre bei 45, die von Frauen bei 48 Jahren. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren sind Analphabeten. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt nur noch bei 80 US-Dollar.

OKTOBER

1992

OKTOBER 1992: Die RENAMO verletzt den Waffenstillstand Bereits kurz nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens wird der vereinbarte Waffenstillstand jedoch mehrfach verletzt. Bei einem Angriff aus einen Hilfskonvoi in der Provinz Tete töten die Guerillas 8 Zivilisten. In Namuquela, einem Ort in der Provinz Nampula, werden 50 Häuser niedergebrannt und Dorfbewohner entführt. Im Ort Miluluca in der Provinz Niassa werden 30 Häuser niedergebrannt. Zu Überfällen der Guerillas kommt es unter anderem in Chapa (Cabo Delgado), Maganja da Costa (Zambezia), Memba und Ilute (Nampula). Am 18. Oktober 1992 überfallen die RENAMO-Rebellen Angoche und besetzen das Hafengelände. Nach Regierungsangaben werden bei dem Überfall 40 Soldaten der Regierungstruppen getötet, Geschäfte geplündert und zahlreiche Häuser verbrannt. Afonso Dhlakama wird die Rebellenorganisation auch als Partei jahrelang autokratisch regieren. Eine Generalversammlung in Maringue wird 1994 intern als Kongress tituliert werden. Der erste Parteikongress wird aber erst 2001 stattfinden.

OKTOBER

1992

OKTOBER 1992: DDR-Rückkehrer feiern die militärischen Erfolge der Guerillas und attackieren Journalisten Während das mosambikanische Volk und auch die internationale Öffentlichkeit die Einigung der Kriegsparteien mit großer Erleichterung aufnehmen, feiern die RENAMO-Anhänger in der “Base Central Madgermany” zwei Wochen nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit Rufen wie “Viva Dhlakama!” (Es lebe Dhlakama!) die jüngsten militärischen Erfolge der Guerillas im Norden des Landes. In den letzten Monaten hatten sich innerhalb der Gruppierung zunehmend RENAMO-Sympathisanten aus den Zentralprovinzen Sofala und Manica sowie den nördlichen Provinzen Zambezia, Nampula und Tete durchgesetzt. In diesen Regionen verfügten die antikommunistischen Rebellen schon in den frühen Kriegsjahren über die größte Anhängerschaft. Am 21. Oktober 1992 kommt es in der Nähe des Parks zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen RENAMO-Anhängern, Straßenhändlern und Passanten. Bei dem Versuch, Interviews mit Beteiligten zu führen, werden die Journalisten Hilário Matusse und der Fotograf Kok Nam von den militanten Madgermanes attackiert. Im Jahr darauf, bei seinem ersten Besuch in Maputo seit Kriegsbeginn, wird Dhlakama überrascht sein, dass er so viele Deutsch sprechende Anhänger hat. Zu den etwa dreitausend RENAMO-Anhängern, die ihn am 21. August 1993 empfangen werden, gehören auch mehrere Hundert ehemalige DDR-Vertragsarbeiter.

DEZEMBER

1992

DEZEMBER 1992: Erste Betrugsfälle mit Lohnnachzahlungen werden bekannt Die Installation eines Telefon- und Faxanschlusses im August 1992 hatte es der Rückkehrervereinigung ADECOMA ermöglicht die Kontakte nach Deutschland zu intensivieren. Unter anderem versuchen wir, bei Anfragen wegen ausstehender Lohnnachzahlungen zwischen ehemaligen Vertragsarbeitern und ihren deutschen Arbeitsgebern zu vermitteln. Im Kontakt mit zwei Firmen, der Lausitzer Braunkohle AG und des KWO Kabel AG, stellt sich heraus, dass die auf den Listen eingetragenen Gehaltsempfänger weder ihren Lohn bekommen noch eine Unterschrift geleistet haben. Wolfgang Stiebens, Leiter des Büros der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Maputo, das alle Auszahlungen beglaubigt hatte, lehnt eine Stellungnahme gegenüber den Betrogenen ebenso ab wie die Deutsche Botschaft in Maputo. Der Vorfall verschlechtert die Aussichten auf eine Zusammenarbeit des Auswärtigen Amts und das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit unserer Rückkehrervereinigung zur Umsetzung der vereinbarten Reintegrationsprojekte.

DEZEMBER

1992

DEZEMBER 1992: Die ADECOMA bekommt erst- und letztmalig Einblick in die SOCREMO-Unterlagen Zum Jahresende 1992 bekommt die Selbsthilfe-Initiative der Madgermanes nur beiläufig Einsicht in die SOCREMO-Unterlagen zur Mikrokredit-Finanzierung. Zur Überraschung der Mitglieder des ADECOMA-Vorstands weisen die Abrechnungen mit Stand vom 15. Dezember 1992 nur 587 Kreditzahlungen aus. Von denen gingen nur 360 an ehemalige Vertragsarbeiter. Die DDR-Rückkehrer bekommen keine Erklärung, warum statt der angekündigten 20 Tausend US-Dollar nur Kredite in Höhe von durchschnittlich 400 US-Dollar vergeben werden und nur in der Hauptstadt Maputo ein SOCREMO-Büro eingerichtet wurde.